Start arrow Presse arrow „Chicken Run“ im Eiskanal
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„Chicken Run“ im Eiskanal PDF Drucken E-Mail
Geschrieben von Gerhard Öhlinger - Salzburger Nachrichten   
Dienstag, 8. März 2011

Bob. Wo kauft man einen Viererbob? Und hat er ein Lenkrad? Zur Weltmeisterschaft am Königssee werden die Irrtümer über diesen Sport aufgeklärt.

Gerhard Öhlinger Schönau (SN). Vor Salzburgs Haustür, am Königssee, findet derzeit die Bob-WM statt. Österreich ist beim Viererbewerb Samstag und Sonntag mit nur einem Team vertreten. Jürgen Mayer und Matthias Adolf vom BSC Salzburg haben dabei quasi Heimvorteil. Sie und ihre Teamkollegen, Pilot Jürgen Loacker und Martin Lachkovics, erklären ihren Sport anhand der gängigsten Irrtümer. Bobfahren ist wie Schlittenfahren, nur schneller: Mit Tempo 150 geht es durch einen schmalen Eiskanal, das Ganze mit einem Gefährt, das zusammen mit den Piloten ein Geschoss mit 630 Kilogramm (Vierer) bzw. 390 Kilogramm (Zweier) bildet und in Kurven durch die Fliehkraft bis zum Fünffachen davon erreicht. Einen Eindruck davon können Interessierte auf der Bahn am Königssee im Rennbobtaxi gewinnen. Der Bobpilot dreht an einem Lenkrad: Der Lenker steuert das Gefährt lediglich mit Seilzügen. „Damit ist wesentlich exakteres und rascheres Lenken möglich, als es mit einem Lenkrad der Fall wäre“, sagt Jürgen Mayer. Den drei übrigen Fahrern kommt ebenfalls eine gewisse Steuerungsfunktion zu: Sie können durch Gewichtsverlagerung mithelfen, die beste Linie einzuhalten. Im übrigen sollten sie aber zugunsten der Aerodynamik den Kopf so gerade und weit unten wie möglich halten.Die Schlitten sind Eigenbau: Bobfahrer müssen sich die normierten Gefährte im Geschäft kaufen, können allerdings nur aus einer Handvoll Hersteller weltweit auswählen, wobei das staatseigene deutsche Institut FES nicht ins Ausland liefert. Gebrauchte Bobs sind ebenfalls gefragt. So gehörte der aktuelle Schlitten des Loacker-Teams vorher schon einem anderen österreichischen Quartett. „Bei entsprechender Pflege kann ein Bob jahrelang gefahren werden“, sagt Martin Lachkovics. Er sitzt selbst in einem 15 Jahre alten Zweierbob.Bobfahrer müssen schwere Jungs sein: Die Zeit der fülligen Herrschaften ist lang vorbei. Jürgen Mayer: „Der Start spielt eine immer größere Rolle, daher ist Schnellkraft mehr denn je gefragt.“ Aber nicht nur Sprinter, auch Kugelstoßer oder Speerwerfer sind bei entsprechender Spritzigkeit schon Bobfahrer geworden. An die 40 km/h erreichen die Besatzungen bereits, ehe sie in den Bob springen.Bobfahren ist ein Männersport: Frauen-Zweierbob ist seit 2002 olympisch, das österreichische Duo Christina Hengster/Inga Versen erreichte bei der WM am Wochenende Rang 16. Die Herren sehen den weiblichen Einbruch in ihre Domäne mit skeptischer Distanz, man hat sie schon verächtlich von „Chicken Run“ reden gehört. Würde ein gemischter Bob daran etwas ändern? „Versuchsweise gab es das schon, aber die Unterschiede bei Kraft und Schnelligkeit sind einfach zu groß“, sagt Jürgen Mayer. Ein Viererbob ist nur ein doppelter Zweierbob: „So groß wie zwischen einem Moped und einem Bus“ ist der Unterschied zwischen Zwei- und Viersitzer laut Jürgen Loacker, selbst in beiden Klassen unterwegs. Der Zweier ist wendiger und leichter zu steuern. Neueinsteiger beginnen grundsätzlich im „kleinen“ Modell. Beim Bobfahren kann nichts passieren: Am Königssee verunglückte 2004 eine Fahrerin tödlich, als ihr Bob aus der Kurver geschleudert wurde. 2009 wurde eine Russin nach einer Kollision wegen eines missachteten Ampelsignals schwer verletzt. Seither wurde an der aktuellen WM-Bahn viel in den Umbau und zusätzliche Sicherheitssysteme investiert. Und was tun die Bobfahrer, wenn sie kippen? Jürgen Mayer: „Kopf einziehen und sich festhalten.“
 
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